Wie mache ich einen Interviewpodcast?

Einführung

Dieses Tutorial behandelt die Technikvoraussetzungen, Vorbereitung und die Durchführung eines Interviews für einen Podcast. Das Ziel ist es mit wenigem Equipment ein Interview mit einem Gast aufnehmen zu können. Die Erweiterung auf mehrere Gäste ist einfach möglich, wird aber hier nicht behandelt.
Das folgende Sketchnote gibt einen groben Überblick über die Aspekte eines Podcasts, über die man sich im Vorfeld Gedanken machen muss.

Übersicht der Themen, die man für einen Podcast bearbeiten soll

In dem Tutorial gehen wir gemeinsam durch die 5 Schritte aus dem Sketchnote, sodass am Ende ein gutes Bild darüber entsteht, was einen Podcast ausmacht.

Planung

Planen, Aufnehmen, Verbessern

Es gibt ein treffendes Zitat von Dwight D. Eisenhower: „Pläne sind unwichtig, aber Planung ist alles“. Genauso verhält es sich mit den Podcasts. Ohne eine Agenda, ein Drehbuch oder wenigstens kurzen Ablauf wird die Aufnahme nicht einfach und selten hörenswert. Ohne Zweifel, es gibt einige Podcaster*innen, die spontan und ohne Planung gute Monologe halten. Für ein Interview ist eine Vorbereitung unerlässlich.

Pläne sind unwichtig, aber Planung ist alles

Dwight D. Eisenhower

Allgemeine Planung

Welche Frage sollten sich Podcaster*innen vor dem Interview stellen? Wie für alle Medien stellt sich am Anfang die Frage des Zielpublikums, denn die Antwort entscheidet über das Format, Sprache, Themen, Gäste und weitere Faktoren. Im Folgenden gibt es eine kurze Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Wer ist das Zielpublikum?
  • Welche Vorkenntnisse hat das Zielpublikum?
  • Welche Sprache wird gesprochen und verstanden?
  • Was wäre der typische Zeitpunkt, wann der Podcast gehört wird?
  • Welche Episodendauer wäre für das Zielpublikum angemessen?
  • Ist die endgültige Folge geschnitten oder bleibt sie wie aufgenommen?
  • Welche technischen Möglichkeiten stehen dem Publikum zur Verfügung? Also können die Hörer den Podcast auf einem Smartphone abonnieren oder nur auf einer Webseite anhören?
  • Wie viel Erfahrung hat das Zielpublikum mit Podcasts?
  • Welches Ziel hat der Podcast?
  • Wie profitiert das Zielpublikum von diesem Podcast?
Episodenlängen

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Episodenlänge: Sie entscheidet darüber wie der Podcast gehört aber auch wie er aufgenommen wird. Episodenlängen über 30 Minuten können für viele Hörer*innen sehr lang erscheinen und deswegen abschreckend wirken. Steht dem Publikum keine gute Smartphone App zur Verfügung, um die Folgen offline zu hören (z.B. im Auto beim Pendeln), sondern nur die Option im Browser zu streamen (auf dem Desktop oder mobil in einer App), so reduziert sich die maximale zumutbare Episodenlänge drastisch: Episoden mit 3, 5, 10 oder 15 Minuten sollten vorgezogen werden. Bei kurzen Episoden (unter 10 Minuten) sollte genau geplant sein, worüber gesprochen wird, denn sonst sprengt man schnell den zeitlichen Rahmen. Eine Planung mit genauen Zeitangaben ist empfehlenswert. Der Interviewer kann dann gezielt eingreifen, wenn der Gast zu lange spricht und Teile des Interviews zu lang werden. Ohne die Planung lässt sich der Zeitrahmen nicht einhalten bzw. einige Themen aus der Aufnahme müssen entfallen. Nach der Aufnahme kann beim Schnitt die Episode auf die richtige Länge nachträglich gebracht werden, dies ist jedoch aufwändig und nimmt dem Podcast den Eindruck eines Gesprächs.

Ohne die Planung lässt sich der Zeitrahmen nicht einhalten

Eine weitere Frage ist teilweise beantwortet: Ob es Dialog oder ein Monolog wird ist klar. Unklar jedoch ist die Anzahl der Gäste. Bei einem Gast ist die Aufnahmesituation einfach, bei steigender Anzahl der Gäste kommen einige störende Faktoren dazu (z.B. das Übersprechen, also Aufnahme einer Stimme durch das Mikrofon eines anderen Gastes). Zusätzlich zu der Rolle des Interviewers übernimmt die Podcaster*in die Aufgabe des Moderation, denn nun findet das Gespräch auch unter den Gästen statt. Wie schon in der Einleitung erwähnt, beschränkt sich dieser Artikel nur auf Interviews mit einem Gast. Das entsprechende Aufnahmekonzept wird in dem Kapitel „Setting“ besprochen.

Planung einzelner Aufnahmen

Zusätzlich zu der allgemeinen Podcastplanung empfiehlt sich die Planung einzelner Aufnahmen. Bevor man mit dem Gast in die Aufzeichnung geht, sollte ein Fahrplan erarbeitet werden. Dieser Plan kann Fragen enthalten oder einfach Kapitelüberschriften, die als ein roter Faden den Interviewer und den Gast durch die Aufnahme führen.

Bei kurzen Aufnahmen ist die Planung mit einer Angabe der Dauer einzelner Abschnitte sinnvoll, da sonst die kurze Dauer nicht eingehalten werden kann. Der Gast kann diese auch im Vorfeld dazu nutzen, um das Gefühl für die Zeit üben zu können.

Setting

Da es sich um ein Interview handelt, ist das Setting überschaubar: Es gibt einen Interviewer und einen oder mehrere Gäste. Da die Vergrößerung auf mehr als einen Gast oder mehrere Interviewer auch einige Eigenarten mit sich bringt, auf die man achten sollte, wird in diesem Artikel nur eine Situation betrachtet, die aus einem Interviewer und einem Gast besteht.

Da die meisten Gäste keine Erfahrung mit aktiver Teilnahme in Podcasts haben, ist die Nervosität vorprogrammiert.

Es empfiehlt sich eine kurze Warmlaufphase vor dem Start der Aufnahme. Es kann sich um das Thema des Podcasts oder grundsätzliches Kennenlernen handeln. Wird das Gespräch bereits mit Aufnahmeequipment geführt, kann sich der Gast an die Situation gewöhnen und etwas entspannen. Da die meisten Gäste keine Erfahrung mit aktiver Teilnahme in Podcasts haben, ist die Nervosität vorprogrammiert. Bei den Podcasts mit einer Länge über einer halben Stunde haben die Gäste genug Zeit um sich zu beruhigen, bei Podcasts mit 3 Minuten kann die Aufnahme schon etwas hektisch werden. Sollte es eine Serie von kurzen Interviews mit dem gleichen Gast geben, ist es sinnvoller alle Aufnahmen nacheinander zu machen, also in dem gleichen gemeinsamen Termin.

Um die Zeit der Aufnahme oder einzelner Abschnitte nicht zu überschreiten, kann eine große Uhr oder ein Timer (z.B. „Time Timer“) sichtbar für beide Teilnehmer positioniert werden. So kann man sich leichter an den Zeitrahmen halten.

Es sollte auf ein Getränk für den Gast und den Interviewer vorhanden sein. Wer lange redet bekommt trockenen Mund oder muss husten. Dafür unbedingt einfach stilles Wasser nehmen, keinen Kaffee und kein kohlensäurehaltiges Wasser.

Raum

Raumplan

Der Aufnahmeraum hat einen großen Einfluss auf die Tonqualität. Er beeinfluss maßgeblich die Tonausbreitung sowie die akustischen Reflexionen. Auch wenn die Auswahl an Räumen im Unternehmen nicht den perfekten Aufnahmeraum bietet, sollte man auf einige Faktoren bei der Raumauswahl achten.

Es gilt grundsätzlich, je gerader, flacher und glatter die Wände sind, desto stärker sind die akustischen Reflexionen und desto stärker hört man den Hall in der Aufnahme. Ganz unpassend sind verglaste Meetingräume, die zwar modern und ansehnlich sind, für Tonaufnahmen jede Menge Probleme bereiten: Zum einen entsteht viel Hall und zum anderen Ablenkung durch den fehlenden Sichtschutz. Der Hall lässt sich schwer bis kaum in der Nachbearbeitung entfernen, direkt bei der Aufnahme hat man mehr Einflussmöglichkeiten: Man sollte einen Raum mit rauen Wänden wählen, der möglich gut möbliert ist, Vorhänge oder Rollos vor den Fensterscheiben, Teppich oder Teppichboden, vielleicht sogar ein Bücherregal aufweist. Diese Oberflächen und Gegenstände absorbieren den Schall und verringern damit die Schallreflexionen. Die Aufnahme klingt „trockener“ und professioneller.

Kann der Raum dauerhaft und exklusiv für Podcastaufnahmen genutzt werden, kann man die Wände mit Schaumstoff-Absorbern bekleben und möglichst parallele Flächen eliminieren.

Der Raum müsste groß genug sein, um den Abstand zwischen dem Interviewer und Gast etwas größer zu halten: Je größer der Abstand, desto weniger Übersprechen gibt es. Übersprechen ist der Effekt, wenn die Stimme einer Person in dem eigenen Mikrofon und in dem Mikrofon des Gegenübers aufgenommen wird. Dies erzeugt ebenfalls eine unsaubere hallende Aufnahme.

Technik

Für eine Podcastaufnahme gibt sehr viele technische Möglichkeiten. Umso wichtiger ist es am Anfang den Fokus zu behalten und mit dem minimalen Ansatz zu starten. Die Versuchung die Aufnahme bzw. die Technik zu perfektionieren führ oft dazu, dass zu viel Zeit in die Vorbereitung investiert wird, anstatt die ersten Aufnahmen zu machen und die praktischen Erfahrungen zu sammeln.

Was bedeutet das konkret für uns? Mit dem Equipment loszulegen, was gerade verfügbar ist und lernen, welchen Einfluss die Technik, Anordnung und Räumlichkeiten auf die Tonqualität haben.

Die einfachste Art eine Aufnahme zu machen ist ein Diktiergerät oder ein iPhone mit der App „Sprachmemos“. Dabei sollte man jedoch das Aufnahmegerät nicht zwischen den Gesprächspartnern positionieren, etwas auf den Tisch legen, sondern vor den Mund der sprechenden Person halten. Das verringert die Lautstärke Außengeräusche.

Der qualitativ bessere Weg ist die Aufzeichnung mit Headsets und einem Audiorekorder. Headsets haben den Vorteil des konstanten Abstands zwischen Mikrofon und Mund. Damit bleibt die Lautstärke immer gleich, auch der Gesprächspartner den Kopf dreht oder sich vom Mikrofon entfernt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich durch die Kopfhörer besser gegenseitig versteht und damit der Abstand zwischen den Gesprächspartner etwas größer sein kann, was wiederum das Übersprechen verhindert.

Bearbeitung

Die Bearbeitung der Aufnahme ist ein sehr umfangreiches Thema und lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn jede Software, die man einsetzt, hat ihre Eigenheiten und Funktionen. Einige Werkzeuge und Tools sollten jedoch immer vorhanden sein:

  • Schnitt der Aufnahme
  • Filterfunktionen (Rauschen reduzieren, Kompressor etc.)
  • Export als MP3-Datei

Es gibt einige kostenfreie Programme wie „Audacity“, die jedoch oft nicht einfach zu benutzen sind. Komfortabler sind dagegen sogenannte DAW-Programme (Digital Audio Workstation), denn sie sind für professionelle Audiobearbeitung entwickelt und in den meisten Fällen kostspielig. DAWs haben oft auch den Vorteil, dass die Aufnahme verlustfrei bearbeitet wird, das beutetet, dass eine abgeschnittene Sequenz nicht wirklich verloren geht, sondern lediglich versteckt. Audacity dagegen modifiziert die Originalaufnahme beim Schnitt.

Als Empfehlung für ein DAW kann ich die Software „Reaper“ oder „Adobe Audition“ nennen. Beide unterscheiden sich im Funktionsumfang und vor allem im Preis.

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